Zukunftsvisionen zur digitalen Hochschulbildung – Teil 2

September 26, 2018 0 Von JS

Zukunftsvisionen zur digitalen Hochschulbildung – Teil 2

Verena Ketter, Josephina Schmidt und Athanasios Tsirikiotis, Stand: 20.8.2018

Bilder: Nadine Ober

 

Ergänzend zum Text vom 11.7.2018 stellen wir im Folgenden die zwei weiteren Typen von Lehrenden und Studierenden vor, die aus der Frage nach den Zukunftsvisionen in der Online-Befragung des Projekts DISTELL vorläufig entwickelt wurden. Nachdem der Typ „Skepsis“ (im Sinne von Zweifeln, Bedenken und Zurückhaltung) bereits dargestellt wurde, werden heute die Aussagen vorgestellt, die dem „pragmatischer Optimismus“ (im Sinne einer Bewältigungslogik unabänderlicher Prozesse) zugeordnet wurden.

Die zweite Positionierung umfasst den breiten und vorsichtigen Optimismus jener Lehrenden, die mit dem zunehmenden Einsatz von digitalen Lernelemente und Lehrformaten (dLLs) eine Beförderung kreativer Ideen und eine Erweiterung des Facettenreichtums der Lehre erwarten, ohne jedoch „darin das Heil der Lehre zu sehen“ (Zitat aus der Befragung). Die Aussagen der pragmatisch optimistischen Lehrenden lassen sich ebenfalls drei Dimensionen zuordnen. Diese kreisen um Überlegungen über ein geeignetes Verfahren zur Etablierung digitaler Hochschulbildung, um methodisch-didaktische Forderungen zu deren Umsetzung und um das Potenzial der dLLs zur individuellen Gestaltung der Lehre und des Lernens. Dieser Abschnitt ließe sich auch als Ringen um ein „vernünftiges Maß der Digitalisierung“ (Zitat aus Befragung) überschreiben. In Bezug auf die Etablierung der digitalen Hochschulbildung und hierfür notwendig erachteter Standards, stehen sich zwei Annahmen gegenüber: Einerseits wird von einer Entwicklung ausgegangen, in der sich diejenigen dLLs durchsetzen, die in puncto Nutzen und Handhabbarkeit überzeugen. Auf der anderen Seite wird eine Zukunfts-Idee einer systematischen, durch eine Begleit-Evaluation mit wissenschaftlicher Expertise angereicherten Einführung digitaler Lernelemente und Lehrformate formuliert. Jene Lehrenden, deren Aussagen auf methodisch-didaktischen Überlegungen gründen, erwarten, dass die Digitalisierung zu einer Mischung aus Präsenzlehre und Einsatz von dLLs führen wird, wodurch eine Diversifizierung der Lehre und des Lehrmaterials befördert werden könnte. Dabei wird die Notwendigkeit einer Relationierung von face to face-Kommunikation und digitalen Elementen betont. Der direkte, räumlich und zeitlich gebundene Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden wird dabei als zentraler Bestandteil der Hochschulbildung herausgestellt, der künftig auch unverändert beibehalten und ggf. durch dLLS unterstützt bzw. ergänzt werden sollte. Diejenigen Lehrenden, deren Antworten auf das Potenzial der Digitalisierung der Hochschulbildung zielen, verwiesen auf die neuen Optionen zur Visualisierung von Inhalten, sowie die Möglichkeiten des orts- und zeitunabhängigen Lernens. Diese würden es erlauben Lehren bzw. Studieren besser mit anderen (z.B. berufsbezogenen) Tätigkeiten und (z.B. privaten) Verpflichtungen zu vermitteln. In einer Kombination aus Präsenzveranstaltungen und digital unterstützten Einheiten (z.B. in Form von Webinaren) sehen diese Lehrenden eine mögliche Verknüpfung analoger und digitaler Lehre.

 

Die Bewältigungslogik der Studierenden zeigt sich in den Aussagen, in denen sie sich hinsichtlich der Beförderung von mehr Bildungsgerechtigkeit einen Abbau von Barrieren vorstellen, in dem bspw. bei Verhinderung der Anwesenheit, z.B. durch Krankheit und/oder Behinderung, familiäre Verantwortung, weite Anfahrtswege, Lerninhalte zeit- und ortsunabhängig wiederholt werden könnten und mit dLLs flexibler auf individuelle Lernvoraussetzungen eingegangen werden könnte. Dies könne auch mit einer allgemein bequemeren Gestaltung des Studiums durch die Digitalisierung einhergehen, wenn mehr „von zu Hause aus“ (Zitat aus Befragung) gelernt werden könne.

Einige Studierende sehen auch eine stärkere Vereinheitlichung der Lehrveranstaltungen als Verbesserung des Studiums an. Gleichzeitig wird hier die Bedeutung des sozialen Miteinanders für das Studium betont, welches durch eine Digitalisierung ebenfalls verbessert werden könne.

Für den Lehr- und Lernalltag versprechen sich Studierende eine „effektivere“ bzw. „optimalere“ Bildung, da bspw. Inhalte vertieft, reflektiert und vernetzt werden könnten und Zugang zu einer größeren Menge an Wissen bestünde. Allgemeine Verbesserung erhoffen sich Studierende in der Entwicklung neuer Problemlösungen, einer allgemeinen Modernisierung des Studiums und durch die Aneignung von erweiterten Medienkompetenzen eine bessere Vorbereitung auf das Berufsleben.