Projekt DISTELL

„DISTELL – Digitalisierungsstrategie für effektives Lehren und Lernen“ ist der Name eines Forschungsprojekts, das vom 1.10.2016-30.9.2018 an der Hochschule Esslingen durchgeführt wird. Das Forschungsteam beschäftigt sich mit der fakultätsübergreifenden Digitalisierung der Hochschulbildung anhand sozialwissenschaftlicher Fragen mit rekonstruktiven Methoden der Sozialforschung. Hier finden Sie einige Informationen zum Hintergrund des Projekts.

Projektförderung

In diesem Zeitraum wird die Forschung vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg im Programm „Digital Innovations for Smart Teaching – Better Learning“ gefördert. Begleitet werden die Projekte des Förderprogramms vom Leibniz Institut für Wissensmedien (IWM).  Weitere Informationen zu den anderen Projekten finden Sie unter folgendem Link: https://www.e-teaching.org/praxis/digital-innovations-for-smart-teaching-better-learning

Hintergrund des Forschungsprojekts

Die Digitalisierung als Metaprozess (Krotz 2007:37ff) beeinflusst auch den Lehr- und Lernalltag (Handke 2015:19ff) der Hochschule Esslingen. Vereinzelt setzen Dozierende digitale Medien in der Lehre ein, doch stehen die ingenieurs-, natur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten, wie die Hochschule als Organisation im Ganzen, vor der Herausforderung einer umfassenden Digitalisierung (z.B. technische Infrastruktur, Nutzung digitaler Medien in allen Fakultäten und unter allen, nicht nur einzelnen Lehrenden). Verbunden mit dem Digitalisierungsprozess ist die Diskussion um Bildung und deren Ausgestaltung an Hochschulen. Akteure auf globaler, europäischer, bundesweiter, länder- und regionaler Ebene stellen Forderungen an die Weiterentwicklung der Hochschulbildung hin zu einer digitalen Bildung. Dem wird häufig mit Zweifeln begegnet und der Verdacht bleibt für viele bestehen, dass die Digitalisierung der Hochschulbildung einer Rationalisierung und Verantwortungsverschiebung dienen soll. Zu diesem kontroversen Diskurs möchte das Forschungsprojekt einen empirischen Beitrag aus explizit sozialwissenschaftlicher, rekonstruktiver Perspektive leisten. Das Forschungsteam selbst versteht unter Medienbildung mehr als nur Medienkompetenz mit den Dimensionen Medienkunde, -nutzung, -kritik und -gestaltung (Baacke 1996). Vielmehr geht es um digitale Hochschulbildung als autonomen Bildungsprozess, als „selbstbestimmte Gestaltung der Beziehung des Menschen zu […] sich selbst“ und zur sozialen Umwelt (Spanhel 2011:104). Die „komplexen, selbstreflexiven Lern- und Orientierungsprozesse“ der Medienbildung, die Identitätsbildung implizieren, stellen die Grundlage für die Bewältigung des Lebensalltages, „Gestaltung des eigenen Lebens“, soziale und kulturelle Partizipation dar (Marotzki/Jörissen 2010:19f).

Forschungsziel

Ausgehend von diesem Verständnis intendiert das Forschungsprojekt DISTELL an die bereits vorhandenen E-Learning-Erfahrungen der Akteure der Hochschule Esslingen anzuknüpfen und die digitale Hochschulbildung weiterzuentwickeln. Dabei werden nicht nur Chancen, sondern auch Grenzen digitalen Lehrens und Lernens in den Blick genommen.

Forschungsfragen

Dementsprechend lauten die Forschungsfragen:

  1. Was bedeutet die digitale Hochschulbildung aus der Perspektive verschiedener Akteure (Studierende, Lehrkräfte, Organisation)?
  2. Welche digitalen Lernelemente (digitale Medien, einzelne Medientechnologien und Lehrformate (Prinzipien digitaler Medien integriert in die Didaktik) können die digitale Hochschulbildung unterstützen?
  3. Wie können digitale Lernelemente und Lehrformate die digitale Hochschulbildung fördern?

Forschungsdesign

Das Forschungsvorhaben besteht aus vier Projekt-Komponenten und drei Forschungsphasen.

Die Fachgruppe (erste Projekt-Komponente) setzt sich aus ExpertInnen der verschiedenen Fakultäten, Organisationseinheiten und aus Studierenden zusammen. Vergleichbar mit der kommunikativen Validierung in der Scientific Community diskutieren sie als Forschungsbeirat Erkenntnisse einzelner Forschungsphasen. Der formativen Evaluationsforschung folgend, gestaltet bzw. steuert die Fachgruppe den weiteren Forschungsprozess.

In der ersten Forschungsphase, der zweiten Projekt-Komponente, geht es um eine systematische Bestandsaufnahme bisheriger E-Learning-Erfahrungen von Studierenden und Lehrenden mithilfe von Online-Fragebögen, um einen Überblick über vorhandene Kenntnisse und Lehrpraxis zu bekommen. Im Sinne einer Datentriangulation, werden dazu ExpertInnengespräche geführt und bereits vorhandene Daten der Hochschule ebenfalls herangezogen. Die Erkenntnisse werden auf verschiedene Weise (z.B. in der Hochschulzeitschrift und über das Forschungsjournal) verbreitet und im Sinne eines Wissenstransfers in Qualifizierungsmaßnahmen umgewandelt.

Ausgehend von der Analyse der ersten Forschungsphase wählt die Fachgruppe in der zweiten Forschungsphase, der dritten Projekt-Komponente, digitale Lernelemente und Lehrformate aus (z.B. Etherpad, ePortfolio, interaktives Whiteboard, Inverted Classroom, Peer Learning, mobiles Lernen, Barcamp-Format), die von einzelnen Lehrenden erprobt werden. Mit qualitativen Forschungsmethoden, wie teilnehmende Beobachtung, Einzelinterviews und Gruppen-diskussionen, werden diese Erprobungen forschend begleitet. Die Erkenntnisse dieser Forschungsphase werden ebenfalls im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen verbreitet.

Die dritte Forschungsphase und vierte Projekt-Komponente beinhaltet die Entwicklung und Erprobung einer mobilen Applikation zur Selbstreflexion des Lernverhaltens und der visuellen Selbstkontrolle (Learning Analytics). Diese SelbstLernManagement-App (SeLeMA) soll Studierenden beim wissenschaftlichen Arbeiten Unterstützung anbieten, wie beispielsweise das Festlegen einzelner Arbeitsschritte zum Verfassen einer Hausarbeit. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Studierenden die alleinige Verantwortung für ihre Bildungsprozesse zu übertragen, sondern technische, visualisierende Möglichkeiten zur Arbeitsorganisation und -erleichterung zur Verfügung zu stellen und diese ebenso im Austausch mit Lehrenden nutzbar zu machen.

Forschungsjournal

Diese Website ist eingerichtet als Forschungsjournal, mit dem wir folgende Ziele verfolgen:

  1. Beitrag zur Transparenz des Forschungsverlaufs leisten.
  2. Informationen über Erkenntnisse und Ergebnisse des Projekts geben.
  3. Rückmeldungen der scientific community zum Vorgehen und Erkenntnissen des Projekts einholen.
  4. Erfahrungen im Bereich open-science sammeln und aufarbeiten.
  5. Beitrag zur Weiterentwicklung des open-science- Prozesses leisten, explizit auch für in den Sozialwissenschaften.
  6. Mitgestaltung des Diskurses um digitale Hochschulbildung.
  7. Vernetzung zwischen Wissenschaftler*innen ermöglichen
  8. Abbau von Barrieren zwischen Wissenschaftler*innen und am Thema Interessierten.

Team

Das Forschungsprojekt wird von Profin Drin Verena Ketter geleitet. Die zwei Wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen Josephina Schmidt und Athanasios Tsirikiotis sind für die wissenschaftliche Gestaltung zuständig. Michaela Gerds übernimmt die Organisation der Qualifizierungsmaßnahmen und Erprobungen als mediendidaktische Mitarbeiterin. Die studentische Hilfskraft Manuel Mattner und die wissenschaftliche Hilfskraft Nadine Ober unterstützen das Projekt an allen Stellen tatkräftig.

Weitere Informationen zu den einzelnen Personen finden Sie auch unter Kontakt